2. Korinther 13,13 — Die Gnade, die Liebe und die Gemeinschaft

TL;DR

Der Segensgruß am Ende des Zweiten Korintherbriefs nennt Christus, Gott und den Heiligen Geist in einem Atemzug und gilt seit der Alten Kirche als einer der Hauptbelege der Trinitätslehre. Die Sozinianer bestreiten die Verbindung der drei nicht — der Rakower Katechismus bekräftigt sie mit Nachdruck —, sondern den Schluss von der Nebeneinanderstellung auf die Wesenseinheit. Fausto Sozzini hat den Vers eigens behandelt und philologisch gezeigt, dass „Gemeinschaft des Heiligen Geistes“ nicht heißt, der Geist teile etwas mit, sondern dass der Geist selbst mitgeteilt wird. Der Segen benennt damit drei ungleiche Größen in ihrer Ordnung: den Vater als Quelle der Liebe, Christus als den, durch den die Gnade kommt, den Geist als das, was ausgeteilt wird.

„Die Gnade unsers Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen! Amen.“

2. Korinther 13,13

Kontext: der letzte Satz eines umkämpften Briefes

Kein anderer Brief des Paulus ringt so hörbar um die eigene Autorität wie der zweite an die Korinther. In den Kapiteln 10 bis 13 verteidigt sich der Apostel gegen Gegner, die ihm schwache Erscheinung und geringe Rede vorwerfen; er nennt seine eigene Selbstverteidigung eine Torheit und zählt statt Erfolgen seine Schläge, Schiffbrüche und Nöte auf. Unmittelbar vor unserem Vers steht die Mahnung zur Selbstprüfung — „prüfet euch selbst, ob ihr im Glauben seid“ (13,5) — und der Aufruf, sich zurechtbringen zu lassen, eines Sinnes zu sein und Frieden zu halten. Dann bricht der Streit ab, und der Brief schließt mit einem Segenswunsch von großer Ruhe.

Die Verszählung schwankt: Manche Ausgaben lesen 13,13, andere 13,14, je nachdem, ob der Gruß mit dem heiligen Kuss und der Gruß der Heiligen als ein Vers oder als zwei gezählt werden. Gemeint ist stets derselbe Satz. Diese Kleinigkeit ist keine Nebensache für die Auslegungsgeschichte, denn sie erinnert daran, dass die Versgrenzen des Neuen Testaments erst im 16. Jahrhundert gesetzt wurden — mitten in jener Zeit, in der auch der Streit um die Trinität neu entbrannte.

Formgeschichtlich ist der Vers eine Ausnahme. Paulus schließt seine Briefe sonst einfach: „Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch“ (Römer 16,20; 1. Korinther 16,23; Galater 6,18; Philipper 4,23; 1. Thessalonicher 5,28). Nur hier wird der Gruß dreigliedrig. Beide Seiten der späteren Auseinandersetzung haben aus dieser Einmaligkeit Kapital geschlagen: die eine, weil ein so feierlich erweiterter Segen ein Bekenntnis sein müsse; die andere, weil ein Bekenntnis, das nur ein einziges Mal und ausgerechnet in einer Grußformel erscheint, schwerlich der tragende Grund einer Lehre sein könne, ohne die niemand selig werde.

Wirkungsgeschichtlich ist der Satz früh in die Liturgie gewandert und eröffnet bis heute in vielen Kirchen den Gottesdienst. Bemerkenswert ist die Reihenfolge dieser Entwicklung: Der Gebrauch als Eingangsgruß ist älter als seine dogmatische Verwendung, und die trinitarische Auslegung ist der liturgischen gefolgt, nicht vorausgegangen. Fausto Sozzini selbst behandelt den Vers deshalb auch nicht in einer eigenen Trinitätsschrift, sondern dort, wo er praktisch strittig wurde: im Streit über die Anrufung Christi, wo ein Gegner ihm entgegenhielt, wer Christus im Segensgruß anrufe, müsse folgerichtig auch den Heiligen Geist anrufen.

Sozinianische Kernthese

Die sozinianische Antwort setzt nicht bei einer Leugnung an, sondern bei einer Unterscheidung. Dass Vater, Sohn und Heiliger Geist in der Schrift zusammen genannt werden, ist unbestritten und wird ausdrücklich als christlicher Grundbestand festgehalten. Bestritten wird allein der Schluss, der daraus gezogen wird: dass drei zusammen genannte Größen deshalb drei Personen eines Wesens sein müssten. Aufzählung beweist Zusammengehörigkeit im Werk, nicht Gleichheit in der Natur. Wer aus einer Reihung eine Wesenslehre gewinnen will, muss zeigen, dass die Reihung anders nicht zu erklären wäre — und genau das leistet der Vers nicht.

Der Rakower Katechismus führt den Gegenbeweis mit Schriftbeispielen. In der Bibel werden Gott regelmäßig Personen und sogar Sachen beigesellt, ohne dass jemand daraus eine Gottheit machte: „Und das ganze Volk fürchtete Gott sehr und Samuel“ (1. Samuel 12,18); „das Volk fürchtete den Herrn und glaubte an den Herrn und an Mose, seinen Knecht“ (2. Mose 14,31); „ich befehle euch Gott und dem Wort seiner Gnade an“ (Apostelgeschichte 20,32); „seid stark im Herrn und in der Macht seiner Stärke“ (Epheser 6,10). Paulus selbst beschwört Timotheus „vor Gott und Christus Jesus und den auserwählten Engeln“ (1. Timotheus 5,21) — eine Dreiheit, aus der noch niemand eine Trinität von Vater, Sohn und Engeln gefolgert hat.

Hinzu kommt, dass der Segen die drei Glieder gar nicht gleich baut. Die Gnade heißt „unseres Herrn Jesus Christus“, die Liebe heißt „Gottes“, die Gemeinschaft heißt „des Heiligen Geistes“ — aber diese drei Genitive stehen nicht im selben Verhältnis zu ihrem Substantiv. Bei der Liebe ist Gott der Liebende; bei der Gnade ist Christus derjenige, durch den sie zugewandt wird; bei der Gemeinschaft, so Sozzini, ist der Geist nicht der Gebende, sondern das Gegebene. Ein Bekenntnissatz über drei gleichrangige Personen müsste die drei Glieder gleichförmig konstruieren. Der Satz tut das Gegenteil.

Und schließlich fällt ins Gewicht, wen der Vers „Gott“ nennt. Christus heißt hier „der Herr“, der Geist heißt „der Heilige Geist“, und „Gott“ ohne jeden Zusatz steht daneben — nach dem durchgehenden Sprachgebrauch des Paulus ist damit der Vater gemeint (1. Korinther 8,6; Epheser 4,6). Wenn aber die Formel selbst nur einen als „Gott“ bezeichnet und die beiden anderen anders benennt, so unterscheidet sie, statt zu verschmelzen. Der Vers, der die Dreiheit belegen soll, setzt in seinem Wortlaut die sozinianische Ordnung voraus: ein Gott, der Vater; ein Herr, durch den seine Gnade kommt; ein Geist, den er austeilt.

Kernaussage

Der Segen verbindet die drei, aber er ordnet sie zugleich: die Liebe geht von Gott aus, die Gnade kommt durch Christus, und der Geist ist das, was ausgeteilt wird.

Exegese: Schlüsselbegriffe und Wortfeld

charis — die Gnade, die „des Herrn Jesus Christus“ heißt

Das Wort bezeichnet die freundliche Zuwendung eines Höheren zu einem Geringeren, die Gunst, die nichts kostet und nichts voraussetzt. Paulus eröffnet und beschließt mit ihm nahezu jeden Brief; es ist der Rahmen, in den er alles andere stellt. Bemerkenswert ist, dass die Gnade in den Briefeingängen ausdrücklich zweifach verortet wird: „Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus“ — die Quelle wird genannt und der Weg.

Für die Auslegung unseres Verses ist das entscheidend. Wenn die Gnade an anderer Stelle „von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus“ kommt, dann ist die kürzere Wendung „die Gnade unseres Herrn Jesus Christus“ keine Aussage darüber, wer letztlich gibt, sondern darüber, durch wen gegeben wird. Sozzini formuliert diesen Sachverhalt in seiner Schrift über die Anrufung mit großer Bestimmtheit: Es handle sich „um die einmalige Ankündigung und Mitteilung der Gnade Gottes des Vaters durch Christus“. Der Genitiv bezeichnet also die Vermittlung, nicht den Ursprung.

agapē tou theou — die Liebe Gottes als Quelle

Anders liegt der Fall beim zweiten Glied. Hier ist der Genitiv unstreitig ein Genitiv des Urhebers: Gott ist der Liebende, nicht das Geliebte. Paulus hat diesen Satz im selben Brief entfaltet — „Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit ihm selber“ (2. Korinther 5,19) — und im Römerbrief in seine bekannteste Form gebracht: „Gott erweist seine Liebe gegen uns, dass Christus für uns gestorben ist, da wir noch Sünder waren.“

Damit ist im Segensgruß selbst die Richtung festgelegt, in der alles fließt. Die Liebe steht am Anfang und ist Gottes; die Gnade ist ihre Zuwendung und kommt durch Christus; die Gemeinschaft ist das, was beim Empfänger ankommt. Wer aus dem Vers eine Gleichordnung von drei Personen liest, muss diese innere Bewegung überhören. Wer sie hört, findet in ihm die sozinianische Heilslehre in drei Gliedern: Gott als erste Ursache, Christus als die von ihm eingesetzte zweite, den Geist als die Kraft, durch deren Mitteilung das Werk am Menschen geschieht.

koinōnia tou hagiou pneumatos — Gemeinschaft mit dem Geist oder durch ihn?

An diesem dritten Genitiv hängt die ganze Auslegung, und die Grammatik lässt zwei Möglichkeiten zu. Versteht man ihn aktiv (als genitivus subiectivus), so wäre der Geist derjenige, der eine Gemeinschaft stiftet — dann stünde er als Handelnder neben Gott und Christus. Versteht man ihn objektiv (als genitivus obiectivus), so ist der Geist das, woran man Anteil erhält — dann steht er als Gabe neben zwei Gebenden. Grammatisch ist beides möglich; entschieden wird nach dem Sprachgebrauch.

Genau hier setzt Sozzini an und verweist auf die nächstliegende Parallele im selben Briefcorpus: „Der gesegnete Kelch, welchen wir segnen, ist der nicht die Gemeinschaft des Blutes Christi? Das Brot, das wir brechen, ist das nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi?“ (1. Korinther 10,16). Dort ist ganz unzweifelhaft das Genannte das Ausgeteilte, nicht der Austeilende. Dieselbe Wendung, derselbe Verfasser, dasselbe Briefpaar — und das Neue Testament redet vom Geist durchgehend so, dass er ausgegossen, gegeben, empfangen, nach Maß oder ohne Maß zugeteilt wird. Der Rakower Katechismus zieht daraus die begriffliche Summe: „Der Heilige Geist ist eine Kraft oder Wirksamkeit, die von Gott ausgeht und auf die Menschen überströmt und ihnen mitgeteilt wird, durch die er sie von den anderen absondert und für seinen Gebrauch weiht.“

Die Reihenfolge: warum steht Christus vorn?

Wäre der Vers ein Bekenntnis zu drei gleichrangigen Personen, so wäre seine Reihenfolge erklärungsbedürftig: Christus zuerst, dann Gott, dann der Geist. Keine der späteren Bekenntnisformeln hält diese Ordnung ein; sie alle beginnen beim Vater. Die Ausleger der Alten Kirche haben sich damit beholfen, die Abfolge sei „ohne Rangordnung“ zu verstehen — eine Auskunft, die den Text eher entschärft als erklärt.

Als seelsorgerlicher Wunsch gelesen, ist die Reihenfolge dagegen selbstverständlich. Paulus nennt zuerst, was der Gemeinde am nächsten liegt: die Gnade, die sie in Christus erfahren hat. Von dort führt er zu ihrem Grund, der Liebe Gottes, und von dort zu dem, was sie im Alltag zusammenhält, der Teilhabe am Geist. Es ist der Weg des Glaubenden vom Erfahrenen zur Quelle und wieder zurück in die Gemeinde — kein Lehrsatz über innergöttliche Verhältnisse, sondern der letzte Zuspruch eines Briefes, der bis dahin fast nur Streit enthielt.


Vergleich der Auslegungen

Traditionell-orthodox. Der Segen ist der reifste Ausdruck apostolischer Gotteserkenntnis: Drei werden genannt, drei Gaben werden erbeten, und wer Gnade, Liebe und Gemeinschaft schenkt, muss göttlich sein, denn heilbringende Güter kann nur Gott verleihen. Dass der Vers in der Liturgie zum Eingangsgruß wurde, zeigt, dass die Kirche in ihm von jeher ihr trinitarisches Bekenntnis wiedererkannt hat. Die Reihenfolge ist ohne Rangordnung zu verstehen; sie folgt der Erfahrung des Glaubens, nicht der Ordnung des Wesens.
Sozinianisch. Die Verbindung der drei wird anerkannt und für unaufgebbar gehalten; bestritten wird der Schluss auf ein gemeinsames Wesen. Die Schrift stellt Gott vielfach Personen und Dinge zur Seite, ohne sie zu vergotten. Der Segen selbst unterscheidet: „Gott“ ohne Zusatz ist der Vater, Christus ist der Herr, durch den die Gnade zugewandt wird, und die „Gemeinschaft des Heiligen Geistes“ ist nach dem Sprachgebrauch die Teilhabe an einer Gabe — so wie die „Gemeinschaft des Leibes und Blutes Christi“ nicht den Austeilenden, sondern das Ausgeteilte nennt.

Sozzini über die „Gemeinschaft des Heiligen Geistes“

Sozzini kommt auf unseren Vers in einem Streit zu sprechen, der auf den ersten Blick anderswo liegt: Darf man Christus anrufen? Sein Gegner hatte argumentiert, die paulinischen Schlussformeln — „die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch“ — könnten unmöglich Gebet und Anrufung sein; sonst müsste man ja nach 2. Korinther 13,13 auch den Heiligen Geist anrufen, und am Ende gar Paulus selbst, der schreibt: „meine Liebe sei mit euch allen“ (1. Korinther 16,24). Sozzini nimmt den Einwand ernst und beantwortet ihn nicht dogmatisch, sondern grammatisch:

„Ich wundere mich sehr, dass du in jenen Worten ‚Gemeinschaft des Heiligen Geistes‘ nicht erkannt hast, dass die Worte ‚des Heiligen Geistes‘ nicht aktiv, sondern passiv aufzufassen sind, so dass der Sinn nicht der wäre, dass man bittet, der Heilige Geist möge etwas mitteilen, sondern dass der Heilige Geist selbst mitgeteilt werde.“

Fausto Sozzini, Über die Ehre Christi, „Schlussformeln Pauli“

Der Einwand wird damit nicht abgewiesen, sondern aufgelöst. Wenn im dritten Glied gar nicht darum gebeten wird, dass der Geist etwas tue, sondern darum, dass er selbst zuteilwerde, dann liegt in der Formel überhaupt keine Anrufung des Geistes vor — und der Vergleich mit dem ersten Glied bricht zusammen. Das ist ein philologisches, kein spekulatives Argument: Es hängt nicht an einer Lehre von der Gottheit, sondern an der Frage, wie der Genitiv im Griechischen funktioniert.

In der zweiten, ausführlicheren Behandlung derselben Frage nennt Sozzini den Vers ausdrücklich beim Namen und fügt die entscheidende Parallelstelle hinzu:

„Die Worte bei Paulus 2 Kor. 13,13, ‚Gemeinschaft des Heiligen Geistes‘, bedeuten nicht, dass der Heilige Geist etwas mitteilt, sondern dass der Heilige Geist selbst mitgeteilt wird. Der Name des Heiligen Geistes ist in diesem Ausdruck nämlich nicht aktiv, sondern passiv aufzufassen, wie sich aus anderen ähnlichen Wendungen ergibt — zum Beispiel: ‚Gemeinschaft des Leibes und Blutes Christi‘, 1 Kor. 10,16.“

Fausto Sozzini, Über die Nichtanrufung Jesu Christi im heiligen Gebet, „Grußformel gegen Anrufung“

Die Parallele ist mit Bedacht gewählt. Beim Abendmahl redet Paulus von der „Gemeinschaft des Leibes und Blutes Christi“, und niemand hat je gemeint, Leib und Blut seien dort die Handelnden; sie sind das, woran die Gemeinde Anteil bekommt. Dieselbe Wendung im selben Briefpaar wird man schwerlich beim Geist anders auffassen dürfen, ohne einen Grund dafür anzugeben. Und ein solcher Grund lässt sich aus dem Text nicht, sondern nur aus der bereits vorausgesetzten Lehre gewinnen — womit der Beweis im Kreis läuft.

Sozzini geht in derselben Schrift noch einen Schritt weiter und prüft, ob Paulus wenigstens von Vater und Sohn auf dieselbe Weise erbittet. Seine Antwort ist ein Argument aus der Ungleichheit der Bitte:

„Es ist aber gewiss, dass Paulus Gnade und Frieden nicht auf dieselbe Weise vom Sohn erbittet; also wird die höchste Ungleichheit erwiesen.“

Fausto Sozzini, Über die Nichtanrufung Jesu Christi im heiligen Gebet, „Christus als Mittler“

Damit ist der Kern der sozinianischen Lesart benannt. Nicht die Zusammenstellung der drei ist das Problem, sondern die stillschweigende Annahme, Zusammenstellung bedeute Gleichartigkeit. Sozzini hält dagegen: Gerade weil Paulus im selben Satz von jedem der drei etwas anderes und auf andere Weise aussagt, zeigt der Vers nicht die Einheit des Wesens, sondern die Ordnung der Ursachen.


Der Rakower Katechismus über die Verbindung der drei

Der Katechismus behandelt die dreigliedrigen Formeln des Neuen Testaments an einer eigenen Stelle. Er nennt drei: den Taufbefehl (Matthäus 28,19), die Aufzählung der Gaben, Ämter und Wirkungen (1. Korinther 12,4-6) und die Zeugen im Himmel (1. Johannes 5,7). Unser Segensgruß gehört sachlich in dieselbe Reihe, und die Antwort, die dort gegeben wird, gilt für ihn ebenso. Sie beginnt mit einem Zugeständnis, das so entschieden ausfällt, dass es die verbreitete Karikatur des Sozinianismus als bloßer Verneinung widerlegt:

„Allgemein gesprochen bekräftige ich, dass sie lediglich lehren, dass der Vater, der Sohn und der Heilige Geist existieren und in göttlichen Dingen miteinander verbunden sind — was wir nicht nur anerkennen, sondern beständig bekräftigen, sodass wir erklären, dass derjenige nicht einmal ein Christ sein kann, der dies nicht weiß oder nicht glaubt.“

Rakower Katechismus, „Die Verbindung von Vater, Sohn und Heiligem Geist in der Schrift“

Wer den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist nicht kennt und nicht mit ihnen rechnet, ist nach diesem Satz nicht einmal Christ. Der Streit geht also nicht darum, ob die drei zusammengehören, sondern allein darum, was ihre Zusammenstellung beweist. Und hier setzt der Katechismus die Schriftbeispiele ein, die zeigen, wie gewöhnlich solche Beigesellungen in der Bibel sind:

„Denn in der Schrift ist es keineswegs ungewöhnlich, dass in göttlichen Angelegenheiten, die nicht weniger bedeutend sind als die Einweihung der Taufe, Gott sowohl Personen als auch Dinge beigesellt werden, die zum Wesen Gottes in keiner Weise gehören.“

Rakower Katechismus, „Die Verbindung von Vater, Sohn und Heiligem Geist in der Schrift“

Das Volk fürchtet Gott und Samuel; es glaubt an den Herrn und an Mose; Paulus befiehlt die Ältesten Gott und dem Wort seiner Gnade an; der Sieger in der Offenbarung empfängt den Namen Gottes, den Namen der Stadt und den neuen Namen Christi (Offenbarung 3,12). In keinem dieser Fälle ist die Nebenordnung ein Hinweis auf gemeinsame Natur. Warum sollte sie es in einer Grußformel sein?

Am schärfsten wird das Argument bei der Aufzählung in 1. Korinther 12, die dem Segensgruß am nächsten steht: dieselben drei, wieder in derselben ungewöhnlichen Ordnung, wieder mit verschiedenen Zuordnungen. Der Katechismus dreht hier den Beweis um:

„Vielmehr wird hieraus das Gegenteil gefolgert, da ganz offenkundig von jenem einen Gott der Herr, das heißt Christus, und der Heilige Geist unterschieden werden. […] Der Heilige Geist aber ist die Kraft Gottes, durch deren Mitteilung dies alles geschieht.“

Rakower Katechismus, „Die göttlichen Wirkungen und ihre Zuordnung“

Die Beobachtung ist einfach und schwer zu entkräften: In beiden Formeln wird ausdrücklich ein Glied „Gott“ genannt, die beiden anderen nicht. Eine Aufzählung, die einen von dreien mit dem Gottesnamen belegt, unterscheidet ihn von den übrigen. Sie kann daher nicht zugleich behaupten, alle drei seien derselbe Gott — es sei denn, man liest in den Text ein, was aus ihm gewonnen werden soll. Der Katechismus hält deshalb den Vers nicht für einen Gegner, sondern für einen Zeugen der eigenen Position (vgl. 1. Korinther 12,11).


Was die Sozinianer nicht bestreiten

Es gehört zur Redlichkeit der Darstellung, die Grenzen der These zu nennen. Die Sozinianer bestreiten weder, dass der Segen wirklich drei nennt, noch dass alle drei im Heilswerk unentbehrlich sind, noch dass Christus in diesem Segen mehr ist als eine ehrenvolle Erinnerung. Im Gegenteil: Sozzini hat sich mit Nachdruck gegen die Auffassung gewehrt, Christus habe die Gnade lediglich gezeigt und nicht wirklich zugewandt. Sein Gegner wollte ihn auf diese Verkürzung festlegen; er weist sie zurück:

„Wir sind also darauf verwiesen, sofern jenes Mittlere nicht zugestanden wird, dass Christus jene Wohltaten wirksam verliehen hat.“

Fausto Sozzini, Über die Ehre Christi, „Drei Weisen des Verleihens“

Zwischen dem bloßen Aufzeigen eines Weges und dem selbständigen, von Gott unabhängigen Wirken gibt es nach Sozzini ein Drittes: das wirksame Verleihen kraft empfangener Vollmacht. Christus hat Tote auferweckt, Hungernde gesättigt, Blinde sehend gemacht — nicht als Ratgeber, sondern als Handelnder; und er tut auch jetzt, erhöht zur Rechten Gottes, wahrhaft etwas an den Seinen. Der Segensgruß erbittet daher etwas Wirkliches von ihm. Nur eben nicht als von einem, der die Gnade aus sich selbst hätte.

Ebenso wenig wird der Heilige Geist zu einer Redefigur herabgesetzt. Er ist nach dem Katechismus Gottes eigene Kraft, mitgeteilt und wirksam, die Menschen absondert und für Gottes Gebrauch weiht; ohne ihn gäbe es keine Gemeinde und keine Erkenntnis. Die Frage ist allein, ob dieses Wirken ein eigenes Ich voraussetzt oder das Wirken Gottes selbst ist, sofern er sich durch seinen Geist betätigt. Wer den Streitpunkt so fasst, wird sehen, dass zwischen den Lagern weniger die Frömmigkeit als die Metaphysik steht.


Logische Argumente

Die folgenden Erwägungen sind vom Wortlaut über den Sprachgebrauch bis zu den Folgen für die Lehre im Ganzen geordnet.

  1. Der Vers nennt nur einen „Gott“. In der Formel selbst trägt allein das zweite Glied den Gottesnamen ohne jeden Zusatz; Christus heißt „der Herr“, der Geist „der Heilige Geist“. Eine Aufzählung, die einen von dreien so und die anderen anders benennt, unterscheidet — sie identifiziert nicht. Der Sprachgebrauch stimmt mit 1. Korinther 8,6 und Epheser 4,6 überein.
  2. Nebenordnung beweist keine Wesenseinheit. Die Schrift stellt Gott Menschen (Samuel, Mose), Engel (1. Timotheus 5,21) und Sachen (das Wort seiner Gnade, die Macht seiner Stärke) zur Seite. Wäre die Nebenordnung ein Wesensbeweis, ergäben sich aus denselben Stellen Trinitäten von Gott und Samuel oder von Gott, Christus und den Engeln.
  3. Die drei Genitive sind nicht gleich gebaut. Bei der Liebe ist Gott der Handelnde, bei der Gnade ist Christus der Vermittelnde, bei der Gemeinschaft ist der Geist — nach dem Sprachgebrauch von 1. Korinther 10,16 — das Ausgeteilte. Ein Bekenntnis zu drei gleichrangigen Personen müsste die Glieder gleichförmig konstruieren.
  4. Die Parallele des Abendmahls ist nicht wegzuerklären. „Gemeinschaft des Leibes und Blutes Christi“ steht bei demselben Verfasser, an dieselbe Gemeinde gerichtet, in derselben Wendung. Wer den Ausdruck beim Geist anders auffassen will, muss dafür einen Grund aus dem Text nennen; ein Grund aus der vorausgesetzten Lehre wäre ein Zirkelschluss.
  5. Der Geist wird im Neuen Testament durchgehend als Gabe beschrieben. Er wird ausgegossen, gegeben, empfangen, nach Maß und ohne Maß zugeteilt, in Teilen mitgeteilt, weggenommen, ausgelöscht. Diese Redeweisen passen zu einer Kraft, die verliehen wird, nicht zu einer Person, die verleiht (vgl. Apostelgeschichte 2,17).
  6. Die Reihenfolge spricht gegen ein Bekenntnisformular. Christus vor Gott zu nennen ist in keiner altkirchlichen Bekenntnisformel möglich; als seelsorgerlicher Wunsch, der beim Erfahrenen beginnt und zur Quelle führt, ist es selbstverständlich. Die Auskunft, die Ordnung sei „ohne Rangordnung“, erklärt den Befund nicht, sondern entschärft ihn.
  7. Ein einmaliger Gruß trägt keine heilsnotwendige Lehre. Paulus schließt alle übrigen Briefe eingliedrig. Wäre die Dreiheit der Kern des christlichen Gottesverständnisses, wäre nicht zu erklären, warum sie in dieser Form genau einmal begegnet und in den Lehrkapiteln desselben Briefes nirgends entfaltet wird.
  8. Der Segenswunsch ist eine Bitte, kein Lehrsatz. „Sei mit euch allen“ ist ein Optativ. Aus dem, was einer Gemeinde zugesprochen wird, lässt sich unmittelbar entnehmen, was sie empfangen soll, aber nicht, welche Natur die Genannten haben. Aus dem Zuspruch eine Ontologie zu gewinnen, überfordert die Gattung.
  9. Die Beweislast liegt bei der stärkeren Behauptung. Dass die drei zusammengehören, wird von beiden Seiten gelehrt. Dass sie ein einziges numerisches Wesen bilden, ist die zusätzliche Behauptung; sie bedarf einer Stelle, die sie ausspricht. Der Segensgruß spricht sie nicht aus (vgl. Johannes 17,3).
  10. Die Ordnung der Ursachen bleibt sonst unerklärt. Wenn alle drei derselbe Gott wären, wäre nicht zu sagen, weshalb die Liebe gerade Gottes, die Gnade gerade des Herrn und die Teilhabe gerade des Geistes heißt. Die sozinianische Lesart erklärt jede Zuordnung aus ihrer Stelle im Heilsweg — und lässt keinen Ausdruck ungedeutet.

Biblische Querverweise

Matthäus 28,19 — die zweite dreigliedrige Formel

„Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ — der klassische Parallelfall, und die Antwort ist dieselbe. Der Katechismus erinnert daran, dass Israel „auf Mose“ getauft wurde (1. Korinther 10,2) und Christen „auf den Tod Christi“ (Römer 6,3), ohne dass Mose oder der Tod Christi göttliche Personen wären. Siehe Matthäus 28:19.

1. Korinther 12,4-6 — dieselbe Trias, dieselbe Ordnung

„Es sind verschiedene Gaben, aber es ist ein Geist; und es sind verschiedene Ämter, aber es ist ein Herr; und es sind verschiedene Kräfte, aber es ist ein Gott.“ Auch hier trägt nur ein Glied den Gottesnamen, und auch hier bezeichnet der Geist das, was ausgeteilt wird. Siehe 1. Korinther 12:11.

1. Korinther 8,6 — der ausdrückliche Maßstab

„So haben wir doch nur einen Gott, den Vater, … und einen Herrn, Jesus Christus.“ Paulus hat also, wo er die Sache selbst behandelt, die Bezeichnungen genau verteilt. Dieser Satz gibt dem Segensgruß seine Grammatik vor. Siehe 1. Korinther 8:6.

Epheser 4,4-6 — sieben Glieder, nicht drei

„Ein Leib und ein Geist … ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller.“ Hier stehen die drei in einer Reihe mit Leib, Glaube und Taufe. Wer aus Nebenordnung Wesensgleichheit gewinnen wollte, müsste hier auch die Taufe vergotten. Siehe Epheser 4:6.

Offenbarung 3,12 — das Beispiel des Katechismus

Der Überwinder empfängt den Namen Gottes, den Namen des neuen Jerusalem und den neuen Namen Christi. Eine feierliche Dreiheit in einer Verheißungsformel — und niemand hat je aus ihr eine Trinität von Gott, Stadt und Christus gefolgert. Siehe Offenbarung 3:12.

1. Timotheus 2,5 — die Zahl der Seiten

„Es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Christus Jesus.“ Ein Mittler ist begrifflich nicht eine der Parteien, zwischen denen er vermittelt; die Formel setzt die Unterscheidung voraus, die auch der Segensgruß trifft. Siehe 1. Timotheus 2:5.

Johannes 17,3 — der Maßstab des Heils

„Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesum Christum, erkennen.“ Das Gebet Jesu selbst kennt die Unterscheidung und macht sie zum Inhalt des ewigen Lebens. Siehe Johannes 17:3.

1. Korinther 2,11 — der Geist „aus Gott“

„Was in Gott ist, weiß niemand als der Geist Gottes.“ Wie der Geist des Menschen nicht ein zweiter Mensch neben dem Menschen ist, so ist der Geist Gottes nicht eine zweite Person neben Gott; er ist Gott selbst, sofern er erkennt und wirkt. Siehe 1. Korinther 2:11.


Einwände und sozinianische Antworten

1. „Nur Göttliches kann so feierlich nebeneinandergestellt werden“

Traditioneller Einwand

Ein apostolischer Segen ist kein beiläufiger Gruß, sondern eine gottesdienstliche Handlung. Wer in ihm neben Gott genannt wird, wird als Geber göttlicher Güter angerufen. Geschöpfe in einer solchen Formel mit dem Schöpfer zu verbinden, wäre für einen jüdisch erzogenen Apostel undenkbar gewesen.

Der Einwand hat Gewicht, doch die Schrift selbst entzieht ihm den Boden. Gerade jüdisch erzogene Schriftsteller verbinden Gott ohne Scheu mit anderem: Das Volk fürchtet „Gott sehr und Samuel“; es glaubt „an den Herrn und an Mose, seinen Knecht“; Paulus befiehlt die Ältesten von Ephesus „Gott und dem Wort seiner Gnade“ an und beschwört Timotheus „vor Gott und Christus Jesus und den auserwählten Engeln“. In keinem dieser Fälle entsteht dadurch eine gemeinsame Natur, und in keinem hat die Auslegung je eine solche behauptet. Der Katechismus zieht daraus den Schluss, dass es in göttlichen Angelegenheiten „keineswegs ungewöhnlich“ sei, Gott Personen und Dinge beizugesellen, die zu seinem Wesen nicht gehören. Die Feierlichkeit einer Formel begründet also ihre Würde, nicht die Wesensgleichheit der Genannten. Und dass Paulus etwas Undenkbares getan hätte, wäre erst zu zeigen — der Segensgruß setzt ja gerade nicht drei Gottesnamen nebeneinander, sondern einen.

2. „Drei Gaben setzen drei Geber voraus“

Traditioneller Einwand

Gnade, Liebe und Gemeinschaft sind Heilsgüter, die kein Geschöpf zu geben vermag. Wenn Paulus sie von Christus, von Gott und vom Geist erbittet, dann setzt er voraus, dass alle drei sie geben können — und wer göttliche Güter wirksam verleiht, ist Gott.

Der Schluss trüge nur, wenn die drei Glieder wirklich parallel gebaut wären; sie sind es aber nicht. Bei der Liebe steht Gott als Urheber, und das bestreitet niemand. Bei der Gnade nennt Paulus anderswo ausdrücklich beide Größen — „von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus“ —, sodass die kürzere Wendung die Vermittlung meint, wie Sozzini sagt: die Mitteilung „der Gnade Gottes des Vaters durch Christus“. Beim Geist schließlich ist nach dem Sprachgebrauch von 1. Korinther 10,16 gar kein Geber genannt, sondern das Gegebene. Damit bleiben zwei Handelnde in geordnetem Verhältnis und eine Gabe — nicht drei Geber. Hinzu kommt, dass Sozzini das mittlere Glied ausdrücklich stark liest: Christus verleiht wirklich und wirksam, nicht bloß beratend; aber er verleiht kraft dessen, was er empfangen hat. Der Einwand beweist also die Wirksamkeit Christi, die nie bestritten war, und nicht seine Wesensgleichheit, um die gestritten wird.

3. „Die Kirche hat diesen Vers von jeher trinitarisch gebetet“

Traditioneller Einwand

Der Segen eröffnet seit dem vierten Jahrhundert den Gottesdienst und steht in allen großen Liturgien. Eine so alte und einhellige Praxis ist kein Zufall, sondern das Zeugnis der Kirche darüber, wie der Satz zu verstehen ist. Gegen sie eine grammatische Feinheit ins Feld zu führen, heißt das Urteil einer einzelnen Gelehrsamkeit über das der ganzen Christenheit zu stellen.

Die liturgische Verwendung ist unbestritten und wird von den Sozinianern auch nicht angegriffen; sie beten den Segen selbst. Bestritten wird, dass Gebrauch Auslegung ersetzt. Die Zeitfolge ist dabei aufschlussreich: Der Vers stand lange im gottesdienstlichen Gebrauch, ehe er zum Beweismittel im Lehrstreit wurde, und die trinitarische Deutung ist der Praxis gefolgt, nicht umgekehrt. Zudem beweist ein liturgischer Zuspruch seiner Gattung nach, was der Gemeinde gewünscht wird, nicht, welche Natur die Genannten haben — auch das Vaterunser ist alt und einhellig gebetet und enthält keine Wesenslehre. Schließlich hält der Sozinianismus dem Argument aus dem Alter das eigene Prinzip entgegen: Was zum Heil notwendig ist, muss in der Schrift so klar liegen, dass es „gleichsam mit dem Strahl der Sonne geschrieben“ ist. Eine Lehre, die aus der Gattung einer Grußformel erschlossen werden muss, erfüllt diesen Maßstab nicht.

4. „Wenn Christus im Gruß angerufen wird, dann auch der Geist“

Traditioneller Einwand

Entweder ist der Segensgruß ein Gebet — dann werden hier drei angerufen, und alle drei sind Gott. Oder er ist kein Gebet — dann darf man auch Christus in ihm nicht anrufen, und die ganze Frömmigkeit, die sich an ihn wendet, verliert ihren biblischen Halt. Aus dieser Zange kommt niemand heraus.

Genau in dieser Zange stand Sozzini, und er löst sie durch die Beobachtung, dass das dritte Glied gar keine Bitte an den Geist enthält. Erbeten wird nicht, dass der Geist etwas tue, sondern dass er selbst mitgeteilt werde — der Genitiv ist passiv aufzufassen, wie in der „Gemeinschaft des Leibes und Blutes Christi“. Damit werden nur zwei angesprochen, und deren Verhältnis ist nach Sozzini kein gleiches: Paulus erbittet Gnade und Frieden „nicht auf dieselbe Weise vom Sohn“, woraus er „die höchste Ungleichheit“ folgert. Dass die Zange nicht schließt, zeigt überdies ein Satz desselben Apostels wenige Zeilen weiter im ersten Brief: „Meine Liebe sei mit euch allen in Christus Jesus“ (1. Korinther 16,24). Wer aus der Segensform auf Gottheit schließt, müsste hier auf die Gottheit des Paulus schließen. Die Form trägt den Schluss also nicht.

5. „‚Gott‘ meint hier die Gottheit, nicht den Vater“

Traditioneller Einwand

Dass im zweiten Glied „Gott“ ohne Zusatz steht, beweist nichts. Das Wort bezeichnet an vielen Stellen das göttliche Wesen als solches, an dem Vater, Sohn und Geist gleichermaßen Anteil haben. Der Segensgruß nennt also nicht einen Gott neben zwei Nichtgöttern, sondern die eine Gottheit in ihren drei Weisen.

Diese Auslegung ist möglich, aber sie ist nicht aus dem Vers gewonnen, sondern an ihn herangetragen — und sie zerbricht an seinem Bau. Wenn „Gott“ die ganze Gottheit bezeichnete, so würde der Satz lauten: Die Gnade Christi und die Liebe der Dreieinigkeit und die Gemeinschaft des Geistes seien mit euch — womit Christus und der Geist einmal in der Dreiheit enthalten und einmal ihr gegenübergestellt wären. Ein Ausdruck kann aber im selben Satz nicht zugleich das Ganze und ein Teil des Ganzen bezeichnen. Dazu kommt der Sprachgebrauch des Verfassers: Wo Paulus die Sache lehrhaft behandelt, verteilt er die Namen ausdrücklich — „ein Gott, der Vater … und ein Herr, Jesus Christus“ —, und ebenso spricht Jesus selbst vom Vater als dem „allein wahren Gott“. Es bleibt daher bei dem, was der Rakower Katechismus als Beobachtung festhält: In eben solchen Formeln wird der eine Gott von dem Herrn, das heißt Christus, und vom Heiligen Geist offenkundig unterschieden. Der Vers, der die Wesenseinheit tragen soll, ist der Vers, der sie am deutlichsten aufteilt.


Dogmatische Konsequenzen

Für die Gotteslehre. Der Segen bleibt in vollem Umfang stehen, aber er wird als Ordnung gelesen statt als Gleichung: eine Quelle, ein Mittler, eine mitgeteilte Kraft. Damit entfällt die Notwendigkeit, im einen Wesen Gottes eine Zahl anzusetzen, die die Schrift nirgends nennt.
Für das Gebet. Wenn im dritten Glied nichts vom Geist erbeten, sondern der Geist selbst erbeten wird, entfällt der Grund, ihn anzurufen — nicht aber der Grund, um ihn zu bitten. Gebetet wird zum Vater, durch den Sohn, um den Geist.
Für die Einheit der Christen. Der Katechismus hält fest, dass ohne Kenntnis von Vater, Sohn und Geist niemand Christ sein kann. Der Streit betrifft also die Deutung einer gemeinsamen Grundlage, nicht deren Vorhandensein — was den Umgang mit der Gegenseite bestimmen sollte.

Verwandte Verse

Folgende Stellen stützen, vertiefen oder kontrastieren die hier vorgetragene Auslegung:

  • Matthäus 28:19 — die zweite dreigliedrige Formel und ihre Behandlung im Katechismus.
  • 1. Korinther 8:6 — „ein Gott, der Vater … und ein Herr, Jesus Christus“: die Verteilung der Namen bei Paulus selbst.
  • Epheser 4:6 — „ein Gott und Vater aller“ inmitten einer siebengliedrigen Reihe.
  • Johannes 17:3 — der „allein wahre Gott“ und der von ihm Gesandte.
  • 1. Timotheus 2:5 — ein Gott und ein Mittler: die Zahl der Seiten.
  • 1. Johannes 5:7 — das Comma Johanneum, die dritte klassische Trias und ihre Textgeschichte.
  • 1. Korinther 12:11 — der Geist, der austeilt, und die Frage nach seinem Subjekt.
  • 1. Korinther 2:11 — der Geist Gottes im Vergleich zum Geist des Menschen.
  • Apostelgeschichte 5:3-4 — den Geist belügen heißt Gott belügen: die Zuschreibung göttlicher Wirkungen.
  • Offenbarung 3:12 — die Beigesellung von Namen und Dingen in feierlicher Formel.
  • 1. Korinther 11:3 — „Gott aber ist das Haupt Christi“: die Ordnung, die der Segen voraussetzt.
  • 1. Korinther 15:28 — die Unterordnung am Ende, „auf dass Gott sei alles in allem“.

Zusammenfassung

2. Korinther 13,13 ist der einzige Briefschluss des Paulus, der drei Größen nennt, und er ist deshalb früh zum Kronzeugen der Trinitätslehre geworden. Die sozinianische Auslegung greift diesen Zeugen nicht an, indem sie eines der drei Glieder streicht, sondern indem sie den Satz genauer liest als die Formel, die aus ihm gemacht wurde. Sie hält fest, was er sagt: Gott liebt, Christus vermittelt die Gnade, der Geist wird mitgeteilt. Und sie bestreitet, was er nicht sagt: dass diese drei ein einziges numerisches Wesen bilden.

Fausto Sozzini hat die entscheidende Beobachtung nicht in einem Traktat über die Trinität, sondern im Streit über das Gebet gemacht — dort, wo der Vers praktisch wurde. Seine Antwort ist grammatischer Art und daher überprüfbar: „Gemeinschaft des Heiligen Geistes“ heißt nicht, dass der Geist etwas mitteilt, sondern dass er selbst mitgeteilt wird, wie in der „Gemeinschaft des Leibes und Blutes Christi“. Damit steht im dritten Glied eine Gabe, kein Geber, und die Formel verliert ihre trinitarische Symmetrie. Der Rakower Katechismus ergänzt die zweite Hälfte des Arguments: Nebenordnung ist in der Schrift gewöhnlich und beweist nichts über die Natur der Genannten, und in denselben dreigliedrigen Formeln wird der eine Gott von dem Herrn und vom Geist ausdrücklich unterschieden.

Was bleibt, ist ein Segen, der nichts von seiner Fülle einbüßt. Er nennt die Quelle, den Weg und die Wirkung des Heils in einem einzigen Atemzug und wünscht der zerstrittenen Gemeinde in Korinth alles drei zugleich. Gelesen als Ordnung statt als Gleichung, sagt er mehr, nicht weniger: Die Liebe, aus der alles kommt, ist die Liebe des Vaters; die Gnade, in der sie den Menschen erreicht, ist die Gnade des Herrn Jesus Christus; und die Gemeinschaft, in der sie unter Menschen fortwirkt, ist die Teilhabe an dem Geist, den Gott austeilt. Wer den Satz so betet, betet ihn ganz — und muss keine Zahl in Gott ansetzen, um es zu tun.


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